Stadtbeispiele

 

Außenwerbung verbieten – unvorstellbar? Ganz und gar nicht! Weltweit haben Städte und Staaten bereits Maßnahmen unternommen, um Werbung im öffentlichen Raum zu reduzieren – und manche von ihnen kommen bereits ganz ohne aufdringliche Außenwerbung aus.

São Paulo

In der brasilianischen Stadt wurde im Januar 2007 ein strenges Außenwerbeverbot eingeführt. Mit dem „Clean City Law“ wurden 15.000 Plakatflächen und 1.300 Riesenposter entfernt: Keine riesigen Billboards, Poster, Plakate, stromfressende Neonreklame, Werbung auf Fahrzeugen mehr. Fassadenwerbung muss verhältnismäßig sein und Veranstaltungswerbung darf keine Firmenlogos mehr beinhalten. Drei Monate hatten Unternehmen Zeit, um sich den neuen Vorschriften anzupassen.

„Die Stadt hat ihre Architektur zurückbekommen“, freut sich der Professor Silvio Sawaya an der renommierten Universität São Paulo. Denn wie in allen Metropolen Lateinamerikas hatten auch in São Paulo Werbeflächen die städtische Architektur verdrängt. Plötzlich sind Gebäudekonstellationen zu erkennen, wo vorher nur knallige Reklame leuchtete. Statt hektisch im Unterbewusstsein die vorbeirauschenden Werbebotschaften zu registrieren, bewegen sich die Menschen nun stressfreier durch den zähfließenden Verkehr der Mega-Metropole.

Die Zustimmung zum Werbeverbot ist ungebrochen hoch. „Die Paulistanos sind erstmals stolz auf ihre Stadt“, schreibt der Essayist Roberto Pompeu de Toledo euphorisch, „denn es ist ein noch nie dagewesener Sieg der Ordnung über das Chaos, des Gemeinschaftssinns über den Egoismus, der Zivilisation über die Barbarei.“
Aktuell ist in São Paulo allerdings ein Prozess der Aufweichung der Verbote durch immer neue Ausnahmereglungen zu verzeichnen.

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Grenoble – Bäume statt Werbetafeln

Mit dem Wahlversprechen, die Stadt Grenoble von Außenwerbung zu befreien, erzielte das Bürgerbündnis aus Linken und Grünen bei der Stadtwahl 2014 über 40 Prozent der Stimmen. Denn auch Werbung könne eine Form von Verschmutzung sein, insbesondere wenn sie den öffentlichen Raum besetzt. Und so nutzte man den auslaufenden Vertrag mit dem Vermarkter JCDecaux, um 326 Werbeträger abmontieren zu lassen. Statt der Tafeln wurden an vielen Stellen Bäume gepflanzt. Es entstand auch Platz für neue Fahrradständer und Begegnungszonen. Eine Vielzahl von neuen, freien Plakattafeln dürfen nun kulturelle und soziale Einrichtungen nutzen – aber nicht, um vorbeifahrende Autofahrer mit Botschaften zu versorgen, sondern um Fußgänger zu informieren.

Durch das Außenwerbeverbot verliert Grenoble etwa 150.000 Euro jährlich an Einnahmen, was nur rund 0,1Prozent des städtischen Haushalts ausmacht. Bürgermeister Eric Piolle hat diesen Verlust durch die Abschaffung seines Dienstwagens und die Kürzung aller Bezüge der Stadtratsmitglieder um 25 Prozent wieder ausgeglichen. Drei Viertel der Bewohner von Grenoble hätten die Werbeschilder einer Umfrage zufolge als störend empfunden. Denn Werbung gehöre ins Fernsehen oder ins Internet, aber nicht auf die Straße.

Unser Doku-Team hat die Stadt besucht, den Bürgermeister interviewt und einen Film darüber gedreht. Die Stadt ist schöner – Werbefrei.

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Außenwerbung in den USA

In den USA haben nach Schätzungen von Scenic America rund 1.500 Gemeinden und Städte ein Verbot von Außenwerbung eingeführt. Wenn man mit Google Street View durch US-Metropolen „fährt“, fällt auf, wie aufgeräumt und geräumig der öffentliche Raum vielerorts erscheint. Beleuchtete Tafeln oder Vitrinen und drehende Säulen gibt es dort kaum.
Außenwerbung findet in den USA hauptsächlich an den Highways und Fernstraßen statt. Der Werbemarkt ist zwar gigantisch – fast zwei Drittel der Werbeaufwendungen weltweit entfallen auf die USA ­– er spielt sich aber hauptsächlich in den Medien ab. Die Innenstädte bleiben somit weitgehend verschont von freistehenden Werbeträgern.