An Außenwerbung führt kein Weg vorbei

„Denn als wahres Massenmedium spannt sie ein Netz von mehreren hunderttausend Out of Home-Werbeträgern über ganz Deutschland. Auf Straßen und Plätzen der Städte, entlang der Autobahnen, an Bahnhöfen, Flughäfen sowie im Linien-, Nah- und Fernverkehr steht sie im permanenten Kontakt mit der Bevölkerung. Immer, überall, 24 Stunden an jedem Tag des Jahres, unausweichlich, unübersehbar.“ (Quelle: Fachverband Außenwerbung www.faw-ev.de)

„Diese Art der Kommunikation im öffentlichen Raum kann nicht überhört oder abgeschaltet werden. Verankern Sie Werbebotschaften im Kopf der Konsumenten. […] Die prominent platzierten Außenwerbeflächen sind ein Blickfang und werden von den Menschen immer wahrgenommen, bewusst oder unbewusst.“ (Quelle:www.crossvertise.com/aussenwerbung/aussenwerbung-trifft-jeden)

Die Gestaltung des öffentlichen Raumes wird zunehmend durch Werbung geprägt. Die Zunahme und neue Formen von Werbeanlagen wirken sich negativ auf das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild aus. Die architektonische und städtebauliche Gestaltung des Stadtraumes wird durch Werbung überlagert. Die Konzentration von Werbeträgern an stark frequentierten Standorten, die Zunahme insbesondere großformatiger Werbung und die steigende Rolle von Licht und Bewegung durch Einsatz digitaler Werbeanlagen führen an vielen Orten zu einer Dominanz von Werbung im Stadtbild.

Mit der Neufassung des § 10 der Bauoordnung für Berlin betreffend Anlagen der Außenwerbung werden folgende Ziele verwirklicht:

  • Reduzierung der Anzahl von Werbeanlagen, insbesondere auf öffentlichem Straßengrund
  • Umsetzung gestalterische Vorgaben für Werbeanlagen, zwecks stadtbildverträglicher Integration und Vermeidung von optischer Dominanz von Werbung im Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild
  • Grundsätzliches Verbot von digitalen Werbeanalgen im öffentlichen Verkehrsraum
  • Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens durch die Schaffung eines Kataloges zulassungsfähiger Werbeanlagen

Mehr Verkehrssicherheit durch weniger Ablenkung

Die Reduzierung von Werbeanlagen im öffentlichen Verkehrsraum sorgt für weniger Ablenkung der Verkehrsteilnehmer, wovon ein positiver Einfluss auf die allgemeine Sicherheit des Straßenverkehrs zu erwarten ist. Werbeanlagen zielen darauf ab, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, um eine Werbebotschaft zu vermitteln. Insbesondere digitale Werbeanlagen haben durch den Einsatz animierter und bewegter Werbeinhalte eine enorme Ablenkungswirkung im Straßenverkehr.

Schutz der Informationsfreiheit

Artikel 5 Absatz 1 Satz 1 Halbsatz 2 Grundgesetz (negative Informationsfreiheit) schützt den Grundrechtsträger davor, Informationen in einer nicht mehr zumutbaren Weise zu rezipieren. Die Unzumutbarkeitsschwelle ist dann erreicht, wenn ein Ignorieren der Inhalte von Werbeanlagen auf Grund ihrer Anzahl, Gestaltung oder Größe für den Grundrechtsträger nicht mehr möglich ist.

Schutz der Umwelt durch weniger Lichtverschmutzung

Beleuchte, hinterleuchte und digitale Werbeanlagen sind für einen Großteil der Lichtverschmutzung und den damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur verantwortlich. Künstliches Licht am Abend und bei Nacht hat einen negativen Einfluss auf den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus vieler Menschen. Schlafstörungen und verminderte Leistungsfähigkeit sind neben geschwächter Immunität, neurologischen Problemen und schwerwiegenden Stoffwechselerkrankungen die Folgen.

Lichtquellen bei Nacht wirken sich zudem auf die Tierwelt aus. Insbesondere bei Insekten und Vögeln wirkt sich Lichtverschmutzung negativ auf das Paarungs- und Wanderverhalten, sowie die Nahrungssuche aus und damit auch auf das Überleben der Arten.

Durch die in dem Gesetz vorgegesehenen Anforderungen an die Beleuchtung von Werbeanlagen, als auch des grundsätzlichen Verbotes digitaler Werbeanlagen, ergeben sich positive Effekte auf den Schutz von Umwelt und Gesundheit.

Digitale Werbeanlagen haben einen enormen Energieverbrauch

Eine beidseitig betriebene digitale Werbeanlage im CityLightPoster-Format hat einen jährlichen Energieverbrauch von etwa 15.000 kWh. Dies entspricht dem Verbrauch von zehn Single-Haushalten. Die zunehmende Digitalisierung von Werbeanlagen hat somit nicht nur negative gestalterische Auswirkungen auf den öffentlichen Raum, sondern konterkariert die Klimaschutzziele des Landes Berlin.

Werbefrei, aber mit Ausnahmen

Die klassische Litfaßsäule, aber auch Werbeflächen an Wartehäuschen des öffentlichen Personenverkehrs können weiterhin für Werbung genutzt werden. Kultur, Sport und Soziales erhalten durch eine Vorgabe zur Flächennutzung der Werbeanlagen mehr Aufmerksamkeit.

Nach dem Gesetzentwurf sind unter anderem folgende Werbeanlagen zugelassen:

  • Werbeanlagen an der Stätte der Leistung
  • Werbeanlagen mit einer maximalen Höhe von vier Metern über der Geländeoberfläche für wechselnde Inhalte im maximalen Plakatformat DIN A 0 an nicht hinterleuchteten oder bewegten 
    1. Flächen an Haltestellen und Bahnhöfen des öffentlichen Personenverkehrs,
    2. Litfaßsäulen,
    3. einzelnen Flächen mit einer maximalen Werbefläche von zehn Quadratmetern ausschließlich auf privatem Grund.

Die Hälfte der jeweiligen Werbefläche einer der vorgenannten Werbeanlage ist für Inhalte zur Unterrichtung der Bevölkerung über kirchliche, kulturelle, politische, sportliche und ähnliche Veranstaltungen, sowie für Werbung von steuerbegünstigten Körperschaften im Sinne des § 51 der Abgabenordnung, vorzuhalten.

  • temporäre Werbeanlagen auf Veranstaltungen, insbesondere Kultur- und Sportveranstaltungen, sowie Messen, Schaustellungen und Feiern
  • Werbeanlagen auf Sportanlagen, Versammlungsstätten und auf Ausstellungs- und Messegeländen, soweit sie nicht in die freie Landschaft wirken

Werbefreie Städte sind keine Utopie

Grenoble, São Paulo und ganze Bundesstaaten in den USA haben es vorgemacht. Berlin wäre die erste Hauptstadt der Welt.